Helpensteiner Kantentour 2017

„Helpensteiner Kanten“ – Eine Führung durch die Geschichte und die Geschichten von Helpenstein

Wer sich für die Geschichte und die Geschichten des Dorfes interessiert, der war am Sonntag, den 05.März 2017 zu einer Führung durch und um Helpenstein herum eingeladen. Martin Kluth, der 1. Vorsitzende der Kirmesgesellschaft und Kenner der Helpensteiner Geschichte, wusste die Teilnehmer auf unterhaltsame und äußerst lehrreiche Art und Weise, für die bewegte Geschichte des Dorfes zu begeistern. Mehr als 50 Personen, alteingesessene und zugezogene Helpensteiner aller Altersgruppen hatten sich pünktlich zum Start der Führung um 12:00 Uhr an der Kapelle eingefunden.

Mit Blick auf die Erftauen erläuterte Martin zunächst die Entstehung der Landschaft, die sich während der letzten Eiszeiten überwiegend durch den sich ändernden Verlauf des Rheins und der Erft ausgeprägt hat. So konnten die Zuhörer erfahren, dass Helpenstein heute auf der sogenannten Niederterrasse liegt und sich die Landschaft um Helpenstein in den Jahren nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren durch Mäandern der Erft und Verlanden von Nebenarmen ausgebildet hatte.

Man geht davon aus, dass die Veränderung der geologischen Verhältnisse etwa vor 5.000 Jahren nahezu abgeschlossen war, was sich unter anderem dadurch belegen lässt, dass sich die ersten Siedlungsspuren aus dieser Zeit in Helpenstein finden lassen.

Um diese Spuren zu erkunden, wurde die Gruppe zum Ortsrand nahe des Spielplatzes geführt. Hier hatte Martin sein Auto mit den „Schätzen“ aus der Vergangenheit abgestellt. Aus alten Zigarrenkisten holte er die Fundstücke hervor, die er in den letzten Jahrzehnten bei Helpenstein und anderen Orten bei Flurbegehungen gesammelt hatte. Neusteinzeitliche Faustkeile, Kratzer, Stichel, Klingen und Pfeilspitzen sowie eine ganze Anzahl von sogenannten Abschlägen konnte er unter dem Staunen des Publikums präsentieren. Ein ganz besonderes Fundstück war dabei ein Steinbeil aus Jadeit, ein Halbedelsteinmaterial, welches nur insgesamt 4 Mal in Nordrheinwestfalen gefunden wurde – eines davon auf einem Acker bei Wehl. Als Martin dann noch einige Fundstücke zeigte, die er erst einige Wochen zuvor aufgesammelt hatte, waren einige der Kinder kaum noch zu halten und machten sich gleich auf die Suche.

Unweit der Stellen, wo also schon unsere Vorfahren aus der Steinzeit ihre Lager hatten, konnten in den letzten Jahren auch Fundstücke weiterer Epochen geborgen werden. Gestützt durch die Expertise der Neusser Stadtarchäologin, Sabine Sauer, gilt es als ziemlich sicher, dass sich auf den Fluren südlich von Helpenstein Siedlungen aus der fränkischen Zeit, also vor und um das Jahr 800 befanden. Beweise dafür ergeben sich auch aus Bodenfunden, hauptsächlich Keramik aus dieser Zeit, die hier gefunden wurden.

In der Nachfolge entstanden im Reich Karls des Großen und danach adelige Herrschaften, die nebeneinander nicht immer friedlich zusammenlebten, sondern ihre Macht und Güter durch gewaltsame Auseinandersetzungen erweiterten. Als Fluchtorte für die Familien und Untertanen dienten zu dieser Zeit sogenannte Motten, das waren Fluchtburgen, erbaut auf künstlichen Hügeln in sumpfigem Gelände und meist von Wassergräben umgeben. Mindestens eine solcher Motten muss auch in Helpenstein vorhanden gewesen sei. Um das zu erkunden, machten sich die Teilnehmer der Führung auf den Weg in das nahegelegene Waldstück. Durch dichtes Gestrüpp, Brombeerausläufern und Sumpfgräsern bahnte sich die Gruppe den Weg durch den Wald, wurde fast noch von einem aufgeschreckten Reh über den Haufen gerannt und blieb unweit des angrenzenden Bahndamms an einem Erdhügel stehen. Der Hügel ist im Sommer durch die Vegetation kaum auszumachen, aber jetzt, im zeitigen Frühjahr, war er deutlich zu erkennen. Hier hatten wohl Helpensteiner ihre erste „Burg“ errichtet, wobei aber nicht nachgewiesen ist, dass es sich tatsächlich schon um die spätere Herrschaft Helpenstein handelte. Als Besonderheit zeigte Martin der Gruppe noch einen deutlich kleineren Erdhügel, der heute noch von einem Graben umgeben ist, in der Näher der Motte. Diese Stelle, im Helpensteiner Volksmund als „Insel“ bezeichnet, ist sogar den Archäologen ein Rätsel, da  vergleichbare Spuren nicht bekannt sind und die Funktion nicht klar ist.

Auf dem weiteren Weg durch das Waldstück machte die Gruppe Halt an einer Stelle, wo bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Gutshof gestanden hat. Die Stelle heißt bei den Helpensteinern „Pittich Bongend“ (wörtlich übersetzt „Peters Baumgarten“). Der Hof ist heute verschwunden, allerdings kann man heute noch den früheren Weg zu diesem Hof erahnen, welcher über die zum Teil noch erhaltene Steinbrücke über den Helpensteiner Bach, dem „Zochjraaf“ führte.

Nach diesem Abstecher in die Neuzeit führte die nächste Station die Teilnehmer wieder zurück ins Mittelalter. Am Helpensteiner Burghügel erläuterte Martin die Geschichte der Herren von Helpenstein, die hier ihre Burg errichtet hatte. Erstmals wurde in Dokumenten die Herrschaft Helpenstein und deren Burg an der Erft im Jahr 1148 erwähnt. Über mehrere Generationen hinweg lebten die Herren von Helpenstein auf dieser Burg bis ins Jahr 1370, als die Burg nach einem Brudermord und dem nachfolgenden Streit mit dem Kölner Erzbischof über die Helpensteiner Güter zerstört wurde. Die Herrschaft Helpenstein hatte erheblichen Besitz, die in einem Güterverzeichnis dokumentiert ist. Martin las Auszüge aus dem Verzeichnis vor und erwähnte, dass die Helpensteiner ein reiches und friedliebendes Geschlecht war, dass auch für ihre Untertanen auf den Gutshöfen und den der Burg zugehörigen Ortschaft gut sorgte. Die Burg selbst muss ein beeindruckendes Bauwerk gewesen sein, denn in dem Schutt der Burg fand man Bleiverglasung, welche zum Zeitpunkt der Entstehung der Burg etwas ganz Besonderes und Teures war.

Als Nachfolger der Herren von Helpenstein gelangte ihr Besitz durch Vergabe von Lehen des Kölner Domkapitels an verschiedene Lehensnehmer und später durch Heirat und Erbschaft an die Grafen von Bentheim-Tecklenburg, die die Besitztümer bis in die Zeit der französischen Besetzung im Jahr 1794 verwalteten. Diese neuen Herren waren es vermutlich auch, die den Helpensteiner Bildstock im Jahr 1743 aufrichten ließen.

Zum Schluss der Führung zeigte Martin noch die Karte des Urkatasters aus dem Jahr 1810, auf denen Helpenstein und die Umgebung dargestellt sind. Hier konnte man sehr schön den alten Verlauf der Erft erkennen, die mit einem Seitenarm direkt bis an den Ort heranreichte. Auch die damals existierenden Höfe und Häuser sind in dieser Karte verzeichnet so dass sich die Teilnehmer der Führung ein Bild von der damaligen Größe des Ortes und deren Lage machen konnten. In dieser Karte war auch der „Pittisch Bongend“ sowie ein weiterer großer Gutshof verzeichnet, der aber in keiner der mündlichen Überlieferungen von alten Helpensteinern erwähnt wurde. Dieser Hof ist selbst in der derzeit ältesten vorliegenden Karte von Helpenstein aus dem Jahr 1789 dargestellt. Auch diese Karte zeigte Martin am Ende der Veranstaltung.

Mit großem Applaus wurde die Führung nach 3 sehr unterhaltsamen Stunden wieder an der Kapelle angekommen beendet. Einige Teilnehmer regten an, dass nach der älteren Geschichte der letzten 5.000 Jahre auch die neuere Geschichte aus den letzten 200 Jahren noch einmal vorgestellt werden könnte – aber das ist Stoff für eine neue „Helpensteiner Kanten“ Tour.

Hier noch ein interessanter Link zu einer Internetseite des Landes NRW und der Bezirksregierung Köln:

http://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/tim-online/index.html

Auch unter dem Suchwort „tim-online“ gelangt man auf diese Seite, auf der aktuelle und historische Karten sowie Luftbilder und geologische Profilkarten hinterlegt sind. Hier lassen sich alte und neue Karten übereinanderlegen, so dass man einen sehr schönen Überblick über die Veränderung von Orten und Landschaften über die letzten Jahrhunderte erhält. In dem geologischen Profilen erkennt man übrigens auch die alte Motte, die „Insel“ sowie die Lage des „Pittisch Bongend“.

Wolfgang Bongartz




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