Die Herrschaft Helpenstein


Viele von uns interessiert es, wo die Ursprünge des Dorfes
Helpenstein liegen. Dies ist ganz natürlich, denn viele, die schon seit
Generationen mit dem Dorf verwurzelt sind, möchten mehr über die Anfänge
 wissen. Andere, die neu zugezogen sind, wüssten gerne, wo sie Wurzeln
schlagen. Obwohl Helpenstein mit ca. 350 Einwohnern ein kleines Dorf
ist, hat es doch eine lange Geschichte, die sich teilweise in erhalten
gebliebenen Bodendenkmälern und in fast 1.000 Jahre alten Urkunden
widerspiegelt. Leider wurde bisher nicht archäologisch geforscht und die
 meisten schriftlichen Quellen noch nicht gelesen, so dass vieles im
Dunkeln bleibt.

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der Mittel- und
Jungsteinzeit (ca. 8.000 – 2.000 v.Chr.). Bezeichnend findet man viele
Siedlungs – und Lagerplätze in der Nähe von Gewässern, bei uns an der
Erft und am Gillbach. Hier fand der Mensch das für ihn lebenswichtige
Wasser. Er konnte aber auch das Wild besser jagen, da er einfach in
Wassernähe versteckt warten musste. Die Siedlungsspuren finden sich an
der Erdoberfläche, wohin sie durch Umpflügen des Ackers gelangen.
Fundstellen in unserer Nähe befinden sich gegenüber dem Bolzplatz
entlang des Weges. Der Streifen verläuft in Richtung Bahndamm weiter auf
 der Münchrather Seite um den Danner Busch herum. In der Flur “Am Fron³
verdichten sich die Funde. Hier kann ein Lagerplatz vermutet werden. Der
 größte und ergiebigste Fundort befindet sich zwischen Wehl (Rotthof)
und Münchrath. Hier wurden Unmengen von steinzeitlichen Werkzeugen,
Abschlägen und anderen, zweifellos zur Produktion von Steinwerkzeugen
benötigten, Dingen aufgelesen.

Albert Rückriem, Lehrer in Helpenstein, hat vor über 50 Jahren begonnen,
 Steinwerkzeuge zu suchen. Mit seinen Schülern konnte er viele wertvolle
 Funde bergen, die heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn aufbewahrt
werden. Der Heimatkundeunterricht wurde damals auf den Acker verlegt,
der so großflächig begangen werden konnte. Steinbeile, Klingen, Kratzer
zum Reinigen von Tierfallen und Knochen, Pfeilspitzen, Stichel und viele
 Mikrolithen zeugen von großem handwerklichen Können der
Steinzeitmenschen. Diese Dinge finden sich an den Rast- und Wohnplätzen
der Urbevölkerung. Es scheint, als wären diese Plätze nicht ständig, das
 heißt über längere Zeit hinweg, bewohnt gewesen. Es finden sich
Fundstücke verschiedener Epochen “übereinander³. Das lässt darauf
schließen, dass die gleichen Plätze vermutlich wegen der guten
Bedingungen, die hier herrschten, mehrfach über Jahrtausende hinweg
aufgesucht wurden, ohne dass dies den Steinzeitmenschen bekannt oder
bewusst war.

Erst heute wird das durch die Funde an verschiedenen Epochen belegt. In
der Jungsteinzeit wurden die bis dahin stets wandernden Jäger und
Sammler sesshaft. Die von ihnen bewohnten Häuser sind noch heute durch
Erdverfärbungen im Boden sichtbar. Die verfaulten Pfosten, die tief im
Erdreich gegründet dem steinzeitlichen Holzhaus Halt gaben, zeigen sich
als schwarze Verfärbung, die freigelegt den Hausgrundriss erkennen
lassen. Aus der Steinzeit sind bei uns nur steinerne Überreste gefunden
worden. Andere Materialien sind im Boden vergangen. Die nachfolgende
Bronzezeit ist nur durch äußerst seltene Funde vertreten. Am Hagelkreuz
zwischen Hoisten und Weckhoven wurde eine vermutlich bronzezeitliche
Speerspitze gefunden. Tongefäße sind aufgrund der schlechten
Brennqualität kaum zu erwarten beziehungsweise werden nicht als solche
erkannt. Es hat beispielsweise Heinrich Hilgen in Wehl in der Nähe des
Gilbachs auf einer Wiese bei der Anlage einer Viehtränke beim Erdaushub
ein Tongefäß angestochen, ohne dies zu bemerken. Der Ton war weich, wie
das ihn umgebende Erdreich. Die sich absetzenden, helleren und durch
feine Einstiche verzierten Tonteile hatte er nicht erkannt.

Erst sein
Bruder Albert wurde aufmerksam, leider viel zu spät. Das bisher zeitlich
 nicht bestimmte Gefäß war verloren. Auch die der Bronzezeit folgende
Eisenzeit ist kaum vertreten. Außer Steinfunden (Gräber) konnte in
unserer Nähe kein Siedlungsplatz ausfindig gemacht werden. Erst mit dem
Auftreten der Römer werden die Spuren der Geschichte wieder deutlicher.


Auch in unserer Nähe gab es römische Besiedlung: In der Flur “Im
Fronacker³ (am Bahndamm nach Münchrath hin, dort wo der Damm breiter
wird) finden sich römische Reste. Hier wurde beim Bau der Gasleitung vor
 einigen Jahren ein Brandgrab der Römerzeit angeschnitten. Die schwarze
Asche war deutlich im gelben Lehm zu erkennen. Bei der Untersuchung fiel
 ein Stück aus dem aufragenden Erdreich und gab die Grabbeigabe, eine
Urne aus dem 1. Jahrhundert frei.

Eine weitere Fundstelle befindet sich
oberhalb des Hombroicher Hofs an der Kante zur Niederterrasse (auf der
linken Seite der Straße nach Hombroich). Hier hat ein Haus gestanden.
Dies belegen zahlreiche Steintrümmer, Ziegelreste und Keramikscherben,
die hier im Erdreich nach dem Pflügen gefunden werden können. Auch haben
 sich zahlreiche römische Straßen erhalten. Eine führt von
Neuss-Eppinghoven kommend an der alten Helpensteiner Schule (jetzt
Kindergarten) vorbei (hier im Verlauf gestört) nach Münchrath und
Wevelinghoven (“Römerstraße³). Dieser Weg war noch bis zum Anfang
unseres Jahrhunderts ungewöhnlich in seinen Ausmaßen. Auf ihm konnten 5
Pferdefuhrwerke nebeneinander stehen.

Die Bedeutung dieser Straße zeigt
sich auch in der Katasterkarte, die aufgrund der französischen
Landaufnahme um 1810 gezeichnet wurde: die alte Römerstraße lag ca. 150 m
 (von Eppinghoven aus gesehen) vor der Einfahrt nach Helpenstein rechts
ab, Richtung Schule. Der Teil zwischen Landstraße und Helpensteiner Weg
wurde erst vor einigen Jahre umgepflügt. Die Straße ist erheblich
breiter eingezeichnet, als der nach Speck verlaufende Teil (jetzt B
477). Es zeigt sich, dass die alte Straße 2.000 Jahre lang ihre
Bedeutung dokumentieren konnte und erst in unserer Zeit bedeutungslos
wurde.

Als um 450 n.Chr. die römische Grenze entlang des Rheines brüchig wurde,
 eroberten die rechts des Rheines ansässigen Germanen unser Gebiet. Die
Franken waren es, die in unserer Gegend sesshaft wurden. Sie übernahmen
die gerodeten Ackerflächen der Römer. Jedoch konnten sie nicht alle
Äcker bewirtschaften, so dass der Wald sich wieder breiter machte. Auch
übernahmen sie nicht die Wohnhäuser der Römer. Die Franken siedelten
ganz ihrer Gewohnheit folgend, in der Nähe von Flüssen und Bächen,
bevorzugten also feuchtes Gebiet. Damals gehörte alles Land dem König.
Dieser konnte beliebig darüber verfügen, es verpachten, verschenken oder
 verkaufen. Oft kamen Klöster in den Besitz größerer Ländereien, die sie
 ihrerseits durch weitere Rodungen noch vergrößerten. Aber auch dem
König nahestehende Sippen oder einzelne Personen, die sich besonders
verdient gemacht hatten, wurden mit Land ausgestattet oder als
Bewirtschafter königlichen Landes eingesetzt. Über die Jahrhunderte
hinweg wurden die Eigentumsverhältnisse oftmals unklar. Einst dem König
gehörendes Land ging ohne besondere vertragliche Regelung in
Privateigentum über. Die früheren Landbesitzer – teilweise
Großgrundbesitzer – wurden “frei³, das heißt Adelige. Auch Helpenstein
beziehungsweise das Dynastiengeschlecht derer von Helpenstein dürfte so
entstanden sein. Vieles deutete auf einen fränkischen Ursprung der
Besiedlung oder Gründung Helpensteins hin.

Der Name Helpenstein setzt sich aus zwei Teilen zusammen, einem
vermutlich abgewandelten fränkischen Vornamen “Helpen³ und der Endsilbe
“stein” (= fränkisch stede, Stadt, = Wohnplatz). Es handelt sich also um
 den Wohnplatz, die Wohnstede (Wohnstätte) des Helpen, Helpin, Helfin,
oder wie auch immer damals geschrieben. Das die urkundliche Erwähnung
erstmals 1059 stattfindet, sagt nichts aus. Damals war es üblich, bei
Beurkundungen nur Vornamen zu nennen. Dies reichte vollkommen aus, da
nur wenige Adelsfamilien sich durch Vornamen unterscheiden ließen. Nur
dann, wenn bestimmte Plätze bes chrieben werden mussten oder bei
mehreren namensgleichen Anwesenden, wurde ihr “Familienname³, das heißt
der Wohnort des Betreffenden genannt.

Ab dem 11./12. Jahrhundert wurden
dann nur noch Vor- und Familiennamen genannt. Die Vermutung, dass
Helpenstein eine fränkische Gründung ist, bestärkt sich auch aus einigen
 alten Siedlungsresten, die anzutreffen sind. So nennt sich das Feld
zwischen Bahndamm, Münchrather Weg, Schule Helpenstein (Kindergarten)
zurück nach Helpenstein (Verlängerung Schulgarten, Driesch, Feldweg nach
 Helpenstein) “Am Fronacker”. Der an Helpenstein gelegene Teil dieser
Fläche, etwa vom Bahndammtunnel am Danner Busch aus gesehen links ,
heißt “Am Fron”. Hier hat also ein Fronhof (Herrenhof) gestanden, der
aus einem Königsgut hervorgegangen sein könnte.

Heute noch finden sich im Acker auf einem engbegrenzten Teil
Keramikscherben aus der Zeit Karls des Großen ( ca. 800 n.Chr.) bis ins
15.-16. Jahrhundert hinein. Viel interessanter ist aber, dass ca. 150 m
westlich im Wald versteckt eine alte Motte liegt. Kaum ist sie im
Waldgelände auszumachen. Versteckt im Gestrüpp ist sie nur ca. 1,50 m
höher als das sie umgebende Sumpfgelände. Sie dehnt sich in
West-Ost-Richtung ca. 60 m und in Nord-Süd-Richtung ca. 40 m ovalförmig
aus.

Kein Mensch vermutet hier eine künstlich angelegte Erhebung, die
vor über 1.000 Jahren zu Wohnzwecken diente. Aber gerade die Lage dieser
 Motte ist typisch für fränkisch-karolingische Wohnanlagen, die der
Siedlungsgewohnheit der Franken folgend in feuchtes, sumpfiges und sehr
unzugängliches Gebiet gelegt wurde. Mit einem (heute verlandeten)
Wassergraben umgeben, boten diese Bauwerke wirksamen Schutz vor
ungebetenen Angreifern. Ob diese Anlage zusammen mit dem Fronhof bewohnt
 und bewirtschaftet wurde, oder ob sie deren Vorläufer war, ist
archäologisch noch nicht untersucht worden. Dies ist schade, denn das
Waldgelände um diese Motte herum ist reich an Bodendenkmälern. So findet
 sich ca. 100 m nördlich dieser Motte eine weitere, kreisrunde Anlage,
bei der es sich ebenfalls um eine Motte handeln könnte. Diese ist heute
noch von einem wasserführenden Graben umgeben. Der Zugang erfolgte von
Westen her und ist noch gut zu erkennen.

Der in der Literatur immer als
“Helpensteiner Motte³ genannte “Hoffberg³ direkt am Bahndamm ist keine
Motte, sondern ein künstlich aufgeschütteter Burghügel, der ein festes
Haus trug. Er ist zeitlich auch später anzusetzen, als die beiden
vorgenannten Motten. Aber er steht mit diesen in Verbindung. Hier wird
das vorher auf dem Fronhof oder den alten Motten a nsässige und zu
großen Besitzungen gelangte Geschlecht derer von Helpenstein einen
repräsentativen Familiensitz, der sich sehen lassen konnte, errichtet
haben.

Noch heute wirkt der teilweise durch den Bahndammbau zerstörte
Hügel mächtig. Ursprünglich am Fuß 60 m und am oberen Rand noch 40 m
Durchmesser bei 7 m Höhe. Wann dieser aufgeschüttet wurde, ist noch
nicht untersucht. Der erste, urkundlich genannte Herr auf der
Helpensteiner Burg war Harpernus (oder Harbernus) von Helpenstein
(1148). Mit seiner Erwähnung kann nicht der zeitliche Beginn der
kontinuierlichen Besiedlung Helpensteins gleichgesetzt werden. Dieser
war Jahrhunderte früher!

Nur eine archäologische Untersuchung des
gesamten Geländes um den Hoffberg herum (der Flurname oder die
Flurbezeichnung lautet übrigens “Helpensteiner Burg³) bis hin zum
Fronhof könnte nähere Aufschlüsse über den tatsächlichen Ursprung des
Dorfes bringen. Hier ist eine der interessantesten Siedlungsstätten der
Stadt Neuss zu ergründen. Erst im Mittelalter, nach 1000, tritt
Helpenstein aus dem Schattendasein nicht belegter Zeitabschnitte heraus.
 Die Familie derer von Helpenstein ist ab 1094 nachweislich in
Helpenstein ansässig; ihre Ursprünge sind früher anzusetzen. Franzjosef
Habitz hat versucht, die Geschichte derer von Helpenstein zu erforschen.
 Dies ist ein schwieriges Unternehmen, da Urkunden aus der Zeit um und
vor 1000 selten sind.

Oftmals kann auch aufgrund fehlender Ortsangaben
eine Person nicht zugeordnet werden. Dennoch ist seine Arbeit
beachtenswert, denn sie gibt uns – wenn auch bestimmt lückenhaft –
Einblicke in eine alte Familie. Hier in Auszügen seine
Forschungsergebnisse: Das Jahr 1094 ist das älteste Datum, das wir von
Helpenstein an der Erft kennen. 1148 ist Harper von Helpenstein auf der
Burg. Er ist also der erste, namentlich genannte, regierende Herr der
neuen Dynastie. (Andere Forschungen sagen heute, dass dieser Harbernus
oder Harper schon der 3. Träger dieses Namens war.) Seine Brüder Otto
und Gottfried (Godefried) waren Kanoniker in Aachen am Marienstift. Der
Bruder Wilhelm heiratete eine Benigna, vielleicht eine Verwandte der
Herren von Aremberg, und zog auf deren Güter auf dem Ehrenbreitstein:
Aremberg und Immendorf.

Er baute später mit Hilfe des Erzbischofs von
Trier seine Burg Helfenstein auf dem Südgelände des Ehrenbreitstein und
wurde zu einem angesehenen und bedeutenden Geschlecht. – Damals könnte
auch noch ein uns namentlich nicht bekannter Bruder des Harper die Burg
am Helpensteinbach bei Orsbeck verlassen haben. (Habitz ist der Meinung,
 dass die Familie von Arsbeck (Wegberg) nach Helpenstein gekommen ist,
nachdem sie zuvor aus Süddeutschland zuwanderte.

Dies ist meiner Meinung nach nicht richtig, da der wohl aus der
Frankenzeit stammende Ortsname (=Familienname) im Zusammenhang mit den
archäologischen Funden und den vorhandenen Bodendenkmälern auf eine
Begründung der Dynastie derer von Helpenstein in Helpenstein zu vermuten
 ist. Auch ist unwahrscheinlich, dass ein vorhandener Wohnplatz aufgrund
 veränderter Besitzrechte umbenannt wurde. Außerdem entsprach es nicht
der Familientradition, einen seit Generationen bewohnten Stammsitz
aufzugeben). Er bekam 1157 Besitzungen bei Lintorf, also
rechtsrheinisch, die ihm der Graf von Neuenahr schenkte. So zogen
wahrscheinlich alle jungen Ritter von Orsbeck weg. Das dortige Dominium
wurde seitdem von den Herren an der Erft verwaltet. Der Lehnsträger
wurde eine Familie von Orsbeck.

Die neue Burg in Helpenstein war auf
einer angeschütteten Motte erbaut. 40 m breit und 60 m lang und etwa 7 m
 hoch. Sie wird auch gelegentlich Schloss genannt, weil sie ein schönes
Gebäude war. Im späteren Brandschutt fand man Säulen und
Bleiverglasungen. Müller-Wille schreibt: “Mit Habernus von Helpenstein
begann 1148 eine eigene Linie (der Helpensteiner an der Erft), die in
der nächsten Umgebung Besitz aufwies³. Diese Notiz ist wohl Anlas und
Grund dafür gewesen, dass heute das Dorf Helpenstein eine Habernusstraße
 hat. (Die Straße ist richtig mit “Harbernusstraße³.) Wir finden diesen
Namen nirgendwo. In allen Urkunden wird der erste Herr von
Erft-Helpenstein Harper, Harber, Harpernus oder Hartpernus genannt.

Der
Heiratsvertrag Liedberg-Helpenstein ist wohl nicht in allen Teilen klar
gewesen, weshalb 1166 eine Erbauseinandersetzung stattfand zwischen
Hildegund von Maire-Are geb. von Liedberg und der Schwester Elisabeth
von Randerath geb. von Liedberg einerseits und Harper von Helpenstein
andererseits. Hier nennen die Liedberg-Töchter den Harper ihren
Verwandten. Im Vertrag wurde das festgeschrieben, was vor der Heirat
bereits abgemacht wurde: Der Hof Schlickum mit dem Dorf Schlich, Glehn
und Zweidrittel Kirchenpatronat und Rechte und Besitzungen in Holzheim.

Es ist anzunehmen, dass Harper auch die Güter der Aremberger in
Grimlinghausen erwarb. Er ist in verschiedenen Urkunden der von Are a ls
 Zeuge dabei. Zeuge ist er auch, als Erzbischof Philipp von Heinsberg
seiner jungen Gründung, dem Regularklerikerkloster vor dem Obertor in
Neuss, Ländereien in Elvekum und Schlicherum überträgt, die die Herren
Conrad und Arnold von Dyck vorher besaßen. Diesem Kloster waren die
Helpensteiner sehr zugetan. Es darf als sicher angenommen werden, dass
Harper oder sogar sein Vater in Wehl den Haupthof mit allen Annexhöfen
rundum von der Abtei Werden besaß. (In Wehl wurde auch Hildegundis von
Helpenstein geboren, die später heilig gesprochen wurde. Vermutlich
wurde zu dieser Zeit an der Burg Helpenstein gebaut, so dass dort nicht
gewohnt werden konnte.)

Der Abt von Werden, Rudolf von Helpenstein (
gestorben 1113), wird den Wehler Besitz, der noch aus dem Erbe des
heiligen Ludger stammen muss (und diesem unter Umständen von den
Vorfahren derer von Helpenstein geschenkt wurde) seinem Bruder, dem
Vater des Harper, übertragen haben. Harper wurde bald und für immer
persönlicher Vasall des Erzbischofs von Köln. Es ist aber nicht bekannt,
 dass er mit den Truppen des Erzbischofs jemals in eine Fehde gezogen
wäre. Harpers Nachfolger Wilhelm I., der Sohn Harpers 1198-1209, ist ein
 stiller Vertreter des Hauses Helpenstein gewesen. Wir haben von ihm
drei die Herrschaft nicht berührende Urkunden. Von seinem Leben wissen
wir gar nichts. Vermutlich hat er eine Baronin von Born geheiratet. Die
Geschwister, die übrigen Kinder des Harper, sind nicht überliefert.
Wilhelms Sohn ist Heinrich, der einzige Träger dieses Namens in der
Familie Helpenstein. Er wurde der Nachfolger seines Vaters in der
Erft-Dynastie. Von seiner Gattin wissen wir nur, dass sie Elisabeth
hieß. 1231 hat er einen Sohn: Wilhelm II. In diesem Jahr verkaufen
Heinrich, sein Sohn, seine Schwester und ihr Gatte dem von Osto von Born
 gegründeten Kloster der Zisterzienserinnen in Ophoven ein Bruchgelände,
 eine Mühle und 15 Mansionen (wohl Ackerland) in Dalheim (Arsbeck). In
der Urkunde steht nichts von der Gattin Heinrichs, die 1231 noch lebt.
Sie hat also nicht mitverkauft, wie oft behauptet wird. Es handelt sich
um Altbesitz der Helpensteiner. Heinrich sagt:³ Der Teil meines
Privateigentums in Dahlem³.

Das Kloster Ophoven wird später nach Dalheim verlegt, in den Bezirk der
Helpensteiner. 1236 nimmt Erzbischof Heinrich von Molenark das
neugegründete Kloster Dahlem “mit den von dem Edelen Heinrich von
Helpenstein erworbenen Gütern³ in seinen Schutz. Nach Heinrichs Tod
führen seine Gattin und sein Sohn, “der jetzt an der Regierung ist³ 1246
 einen Prozeß wegen des Patronates in Glehn. Liedberg und Helpenstein
schlugen beide einen neuen Pfarrer vor. Wer war an der Reihe? Der Prozeß
 ging von Köln sogar an das Gericht des Papstes in Lyon. Helpenstein
gewann.

Bislang hat man immer geglaubt, dass Wilhelm II., der Sohn
Heinrichs, bis 1300 regiert hat. Wir vermuten aber, dass in dieser
langen Zeit von über 60 Jahren nicht ein, sondern zwei Wilhelme regiert
haben. Zumal der eine eine Sophie von Schleiden und der andere eine
Sophia von Wickrath als Gattin hat. Wilhelm II. wird von 1240 bis 1262
regiert haben. Sein Sohn Wilhelm III. hat 1262
 oder vorher geheiratet. Unter ihm erfahren wir auch, dass die
Besitzungen an der holländischen Grenze immer noch von Erft-Helpenstein
verwaltet werden. Wilhelm III und seine Frau
Sophie von Wickrath bekunden, dass ein Adam von Eich (de Quercu) dem
Kloster Dahlem ein Waldstück vermacht hat, das er von den Helpensteinern
 als Lehen hatte. Im Buch der Vermächtnisse steht, dass Wilhelm III etliche (80) Morgen Bösch geschenkt habe.

Unter Wilhelm III
 kam auch das Drittel des Glehner Patronats der Liedbeger an
Helpenstein. Es wird sein Bruder Sibert genannt, dessen Tochter
Kanonisse in Gerresheim war. Vielleicht ist auch die Kanonisse Kunigunde
 von Helpenstein (1296) in Vilich bei Bonn seine Schwester. Wilhelm III
 ist Zeuge in vielen Urkunden. Er wird auch als Friedensrichter
herangezogen. Das zeugt für die These, dass die Helpensteiner nicht nur
ein angesehenes Geschlecht waren, sondern, dass sie auch den Frieden
liebten.

Es ist kein Fall bekannt, dass von Helpenstein eine Fehde
ausgegangen ist. Gewiss hat Wilhelm III als Vasall des Erzbischofs in der Schlacht bei Worringen 1288 gekämpft. Unter Wilhelm III
 ist Helpenstein mit Wickrath, Liedberg und von Dyck versippt. Die von
Dyck nennen die Helpensteiner ihre allernächsten Verwandten. Wilhelm III
 heiratet Sophie von Wickrath. Konrad von Dyck hatte deren Schwester als
 Gattin. Lothar von Wickrath, der Bruder der Sophia von Helpenstein,
heiratete Kunigunde, die Schwester des Konrad von Dyck. Wilhelm III
 benutzt noch 1293 als Gerichtsherr von Schlich das alte Siegel mit dem
dreifach gebrochenen Balken und den sechs Lilien. Die rechtsrheinischen
von Helpenstein benutzen schon um 1300 das neue Wappen mit dem Löwen und
 den Lilien (unser jetziges Ortswappen), das dann auch Wilhelms
Nachfolger benutzen. 1293 siegelt Wilhelm III
mit seinen Söhnen Friedrich, Gerhard, Wilhelm und Ludwig (Ludolf). Er
gehört als Ritter dem Verwaltungskörper des Kurfürstentums Köln an, zu
dem das Domkapitel, die Grafen und die Ritter gehörten. Er hatte auch
noch Kontakte zu den Arembergern. Seine Enkel, die Söhne Gerhards,
sprechen davon, dass ihr Großvater Wilhelm III
 von den Grafen von Robringhoven Haus Horr bekam.

Von diesen Grafen
scheint er auch den Hof Rebrechyn (Rybbercheym) bei Burg Neuenberg im
Distrikt Rosellen bekommen zu haben, auf dem Sibert von Helpenstein mit
seiner Gattin Kunigunde und der Tochter Aleydis (Adelheid), der späteren
 Gerresheimer Kanonisse, gewohnt haben. In damaliger Zeit gingen die
Söhne und Töchter des Adels, die nicht heirateten oder nicht verheiratet
 werden konnten, meist in ein Kloster. So sind viele Ordenshäuser zu
regelrechten Adelsstiften geworden. Der erste uns bekannte Helpensteiner
 ist Propst Wilhelm von Helpenstein (1059) im Münster- oder Marienstift
in Aachen. Everwin von Helpenstein, den wir für den Oheim des Harper
halten, trat 1097 in das von Benigna von Daun gegründete Stift Steinfeld
 in der Eifel. Er wurde der erste Propst des Klosters. Durch den hl.
Norbert von Xanten verwandelte er das Stift in ein
Prämonstratenserkloster. Er war ein Freund des hl. Bernhard von
Clairvaux.

Wir besitzen noch einen Brief an den Abt Bernhard. Mit ihm
besuchte er seinen Neffen Wilhelm von Helpenstein auf dem
Ehrenbreitstein. Everwin wird ein Verwandter der hl. Hildegund von Meer,
 der Tochter des Grafen von Liedberg, genannt. Er starb 1152. In Aachen
ist 1166 ein Kanoniker oder Propst Gottfried von Helpenstein und 1172
ein Otto von Helpenstein. Wilhelm von Helpenstein ist einer der
bedeutendsten Äbte von Gladbach. Er ist aber nicht von Erft-Helpenstein.
 Er soll aus einer Nebenlinie auf Burg Berg stammen. Sein Kloster-Vogt
war Sibert von Berg. Die Nonnen in Gerresheim, Hochelten und Essen
dürfen wohl meist von den rechtsrheinischen von Helpenstein stammen.

Die Sippe des Gerhard von Helpenstein Nachfolger Wilhelms III
 wurde sein Sohn Gerhard. Er wird schon 1275 der promogenitus, der
Erstgeborene, genannt. Dennoch wird er in den Urkunden immer nach den
jüngeren Brüdern erwähnt. Wir meinen, dass Gerhard wenig aktiv,
vielleicht sogar krank war. Er konnte sich nicht durchsetzen. – Als
Engelbert von der Mark Vogt (= Verwalter) der Abtei Werden wurde,
übertrug er dem Gerhard eine Untervogtschaft über den Hofesverband
Welderhof in Wehl. Dafür verlangte er von Gerhard den mittleren Teil der
 Burg, gleichsam als Offenhaus (Die Burg Helpenstein bestand also aus 3
Teilen: zwei Vorburgen und Hauptburg). Und Gerhard ging darauf ein. Er
war kein routinierter Herrscher, eher ein Schwächling. Später (1311) hat
 er wohl eingesehen, welche Dummheit er gemacht hatte.

Wo hatte je ein
Vogt eine solche Forderung gestellt? Vögte waren oft frech und brutal.
Gerhard fühlte sich mit seiner großen Familie eingeengt im eigenen Haus.
 Er muss dem Erzbischof sein Leid geklagt haben. Dieser hatte mit
Engelbert von der Mark einen Termin wegen Schloß Holte. Er setzte
Gerhards Eingabe auf die Tagesordnung. Unter dem Vorsitz des Grafen
Gerhard von Jülich tagte das Friedensgericht. Vogt Engelbert musste den
Teil der Burg wieder herausgeben. Gerhard sollte Frieden mit seinem Vogt
 geloben. In der Urkunde ist Gerhard ein letztes Mal erwähnt. In
demselben Jahr haben wir Urkunden, wo die Brüder ohne Gerhard
unterschreiben. Hat Gerhard abgedankt? Er starb 1317. Warum nach
Gerhards Abdankung oder Tod nicht sein Sohn Wilhelm die Herrschaft
übernahm, hat Gründe, die wir nicht kennen. Ob Gerhard auch mit der
Heirat zauderte und erst spät mit Adelheid von Wickrath die Ehe schloss?
 Dann könnten die Kinder 1317 noch nicht großjährig gewesen sein. So
musste der Oheim, Gerhards Bruder Wilhelm, der Propst, die Regierung für
 etwa fünf Jahre übernehmen.

Gerhards Bruder Ludolf wird oft als Pfarrer
 von Glehn bezeichnet (1326-1328). Es muss sich aber um den Neffen
Ludolf handeln. Wäre Ludolf 1317 noch am Leben gewesen, dann hätte ihm
die Regentschaft zugestanden. Gerhards Bruder Friedrich ist 1293 schon
Pfarrer in Glehn, von seinem Vater Wilhelm III
 präsentiert. 1311 wird er Domherr, Diakon und Pfarrer genannt.
Domkanoniker ist er schon 1296. Er beschwert sich beim Bischof, dass der
 Amtmann von Liedberg ihm 500 Malter Frucht geraubt habe. Er hatte auch
noch Güter in Orsbeck. Friedrich starb am 6.8.1323. Wilhelm, der Domherr
 in Köln und Stiftsherr in Xanten (1313) wird auch Domdekan genannt. Als
 Domdekan muss er auch Priester gewesen sein. Er starb am 26.12.1322.

Die beiden Domherren Friedrich und Wilhelm von Helpenstein haben den Bau
 des Kölner Doms noch erlebt. Sie sind sogar noch bei der Einweihung des
 neuen Domchores am 27.9.1322 dabei gewesen. (Im Chorbereich des Kölner
Doms soll in einem Fenster (erstes Nordfenster) das Wappen der
Helpensteiner enthalten sein. Es spricht demnach alles dafür, dass sich
die Herren von Helpenstein auch an der Finanzierung der neuen Kathedrale
 beteiligt haben). Das Interregnum und das Güterverzeichnis Nach dem Tod
 Gerhards übernahm Wilhelm, der Propst, die Regierung. Er verließ nicht
sein Domherrenamt, wie z.B. die Herren von Grevenbroich und Kleve, die
heirateten, um ihr Geschlecht nicht aussterben zu lassen. Wilhelm IV,
wie wir ihn nennen, hatte dazu keinen Anlass, weil da ja junge Herren
warteten. Er war also nur der Verwalter der Helpensteiner Dynastie auf
Zeit. Es muß aber von allen Beteiligten hingenommen worden sein, daß
Wilhelm IV über alle Güter, Besitzungen und Rechte verfügte. Er war der
Herr. Als er am 26.12.1322 starb, ging die Herrschaft an die junge
Generation über.

Sie stellten damals ein Güterverzeichnis auf, worin sie
 erklären, dass Wilhelm IV diese Güter besaß und sie seinen Erben
hinterließ. Dieses Verzeichnis muss 1323 aufgestellt worden sein; denn
dort ist noch Friedrich als Herr von Orsbeck genannt, der am 6.8.1323
starb. Das Güterverzeichnis ist ein wertvolles Dokument. Es zeigt, dass
Helpenstein kein Staat mit umschließenden Grenzen war. Es war eine
Herrschaft, die zwar von einem Zentrum regiert wurde, die aber ihren
Besitz an vielen und auseinanderliegenden Orten besaß. Die Güter waren
durchweg beachtlich groß. Es ist darum nicht zu verstehen, wenn
behauptet wird, dass Helpenstein im 14. Jahrhundert ein armes und
verarmtes Geschlecht war. N och die Erben der Helpensteiner Herrschaft
wissen ihren Besitz zu schätzen. Die Herren von Bentheim-Tecklenburg
waren noch im 18. Jahrhundert wegen des großen Besitzes in Helpenstein
Mitglied der Landstände. Im Verzeichnis sind nicht alle Areale
aufgeführt. Es ist oft nur von den Erträgen und Einkombsten die Rede.
Die Aufstellung ist bestimmt nicht vollständig. Auch nicht ohne
Irrtümer.

Rosellen war z.B. nie Patronat der Helpensteiner. Es gehörte den Herren
von Dyck. Wir wollen hier nur die Orte angeben, wo Helpenstein Besitz
hatte: Glehn, Schlich, Hof Schlickum, Bakkehof, Horrem, Nievenheim,
Kleinenbroich, Scherhausen, Schwendehof in Speck, Krawinkel,
Korschenbroich, Burgel, Mortersmer, Scharanthof, 2 Schanzerhöfe (in
Glehn), Hockstein (Mönchengladbach-Rheydt), Rosellen, Norf,
Grevenbroich, Schlicherum, Hoisten, Weckhoven, Holzheim, Grimlinghausen,
 Wehl, Mühlrath, Mülfort, Winderode, Gohr, Haus Horr, Rüblinghoven
(untergegangener Ort, vor Weckhoven gelegen), Hof in Sevenig, curia in
Büttgen, Volkrather Hof, Blumenhof in Lüttenglehn, Besitz in Eckum,
Gorbroich, Danne, Neukirchen, Omagen, Hackstein, Wickrath, Land auf dem
Ham, Hof Robrychen bei Neuenberg (Rosellerheide).

Dazu die alten Güter
um Orsbeck, Steinkirchen, Dalheim, Wassenberg, Rödgen, Wildenrath, Hees,
 Helpensteiner Hof oder Haus in Neuss. Der Besitz der Helpensteiner war
so groß, dass die Untertanen keine Steuer zu zahlen brauchten. Sie waren
 “die alten freien von Helpenstein, die allzeit schatz- und dienstfrei,
auch sunst anderen herren beschwernis frei und enthaben³. Wir kommen
nochmals auf Ludolf, den Bruder der beiden Domherren zurück. Es ist
nicht auszuschließen, dass er mit dem Lutter identisch ist, der 1310 in
einer Fehde des Erzbischofs (gegen die Bürgerschaft der Stadt Köln) zwei
 Kölner Kaufleute mit den Pferden gefangen nahm und nach Liedberg in den
 Turm brachte. In Helpenstein gab es kein Turmgefängnis, so brachte er
die Gefangenen in den Turm der Randerather auf Liedberg, seinen
Verwandten. (Es hat aber wohl erst etwas später ein Gefängnis gegeben.

Dies lag aber in Speck auf den Stöcken. Dieser Straßenname bezieht sich
nicht auf hier vorgenommenen Hexenverbrennungen, sondern auf das
ehemalige Gefängnis, den “Stock³, wie man diese Einrichtung zur festen
Verwahrung eines Gefangenen nannte (anderes Beispiel: “Opferstock³ in
der Kirche, zur Verwahrung von Geld). Die Stelle des Gefängnisses ist
bei Gartenarbeiten mehrmals aufgefallen. Im Boden finden sich noch die
Fundamente des Gebäudes. Es lag auf der rechten Seite (vom Gillbach aus
gesehen) der Stöck, ungefähr auf halber Höhe.) Diese Episode haben
mehrere Historiker zur Raubritterfama ausgebaut. Vinzenz Grunau
schreibt: “Da sieht man, dass die Helpensteiner regelrechte Raubritter
waren.³ Franz Mayer sagt: “dass seine Mitglieder (der Familie
Helpenstein) wiederholt wegen Ausplünderung Kölner Kaufleute und
Wegnahme ihrer Pferde mit dem Landfrieden in Konflikt kamen und ihr
Besitz zur Entschädigung der Kaufleute beschlagnahmt und ihre Burg an
der Erft geschleift wurde³.

Es ging doch um eine normale Fehde, wo
selbstverständlich Gefangene gemacht wurden. Im Friedensgericht nach der
 Fehde ist nicht von Entschädigung die Rede, die Lutter leisten musste;
wohl von Wiedergutmachung, die der Erzbischof auf sich nehmen musste.
Die Burg wurde nach der Fehde nicht geschleift. Die Kaufleute, die auf
der Seite der Kölner Bürger gekämpft hatten, gab Lutter wieder heraus.
Die Helpensteiner waren ein so vornehmes und begütertes Geschlecht, dass
 es ihnen schlecht anstand, Raubritter zu spielen. So finden wir sie
auch nicht bei der “Gesellschaft der falben Pferde³, in der sich die
niederrheinischen Raubritter zusammengeschlossen hatten. Die Herren von
Dyck gehörten ihr an. Darum wurde ihre Burg 1386 von den Vereinigten
rheinischen Städten zerstört.

Wir halten auch den 1319 genannten Sibert
für einen Sohl Wilhelms III., für den Bruder der Pröpste. Die erste Zerstörung der Burg Helpenstein Die Helpensteiner waren seit Wilhelm III
 Vogt in der Burg Hülchrath. Dieser war der erste Besitzer des
Burglehens Haus Horr. Hülchrath war Eigentum der Herren von Kleve. 1314
verkaufte Dietrich Luf von Kleve diesen Besitz an Erzbischof Heinrich
von Virneburg. Den Kaufpreis konnte der Erzbischof nicht bezahlen. Er
machte eine Anzahlung, damit ihm dieser Erwerb nicht wieder verloren
ging. Den Rest bezahlte er in Raten bis zum Jahre 1323. Es ist
anzunehmen, dass Dietrich Luf von Kleve nach dem Verkauf keinen Amtmann
mehr bestellte.

Der Erzbischof aber noch keinen bestellte; zumal
Dietrich Luf oft genug darauf hinwies, dass er bis zur Bezahlung der
Herr der Burg sei. In dieser ungeklärten Besitzlage werden die
Helpensteiner Vögte auch die Aufgabe des Amtmannes übernommen haben. So
ist es verständlich, dass das Güterverzeichnis von 1323 von ampt ind
advocatio (Amt und Vogtei) spricht. Nach der endgültigen Bezahlung
setzte Erzbischof Heinrich als neuen Amtmann den Wilhelm von
Heddinghoven ein. Hier muss wohl der Streit zwischen Helpenstein und dem
 Bischof begonnen haben.

Der Amtmann hatte Exekutionsgewalt. Wer diese Gewalt hatte, unterstand
nicht dem Landgericht. Er war also unumschränkter Herr. Dass diese
Stellung die Herren von Helpenstein in ihrem Distrikt Hülchrath und auch
 im Bereich ihres Hofverbandes Wehl verlockte, ist klar. Der junge und
neue Regent Wilhelm V von Helpenstein ist wahrscheinlich nicht bereit
gewesen, das Feld zu räumen. So wird ein jahrelanger Zwist entstanden
sein. Ob dieser nicht durch Verhandlungen hätte beigelegt werden können?

1329 zog Bischof Heinrich von Virneburg mit vielen Vasallen nach
Helpenstein; auch der neue Amtmann Wilhelm von Heddinghoven war dabei.
Die Helpensteiner Brüder Wilhelm V, Friedrich, Dietrich und Ludolf
stellten sich dem Kampf, obwohl er wegen der Übermacht des Erzbischofs
aussichtslos war. Die Burg wurde genommen und geschleift. Ludolf fiel im
 Kampf. Wilhelm V und sein Bruder Friedrich wurden gefangen. – Am 13.
Juli 1329 ist in Bonn ein Termin. Es wird ein Unterwerfungsprotokoll
aufgestellt. Helpenstein, und das sind hier Wilhelm V, Friedrich und
Dietrich, ist bereit zur Versöhnung. Sie wollen sich an den Herren der
Fehde nicht rächen. Auf Haus Horr und alle angemaßten Rechte verzichten
sie. Die Burg darf nicht mehr aufgebaut werden. Sie bleiben wie bislang
treue Vasallen des Erzbischofs. Heinrich von Virneburg kassiert nicht
ihren Besitz. So ist es auch nicht richtig, wenn gesagt wird, sie wären
1329 Lehnsleute des Erzbischofs geworden.

Auch hat der Historiker Aubin nicht recht, wenn er behauptet, der Erzbischof hätte die Burg als Offenhaus genommen. Die Burg bestand ja nicht mehr. Sicher hätte der
Erzbischof die Herrschaft Helpenstein gern dem Erzbistum einverleibt. Er
 hatte ja schon so viele kleine Herrschaften im Westen und Süden
erworben. Die Herrschaft Helpenstein, die freie und unabhängige, war den
 Erzbischöfen lange ein Dorn im Auge. Nach der Fehde hören wir nichts
mehr von Dietrich. Vielleicht hat er geheiratet und den Namen seines
neuen Wohnsitzes angenommen. Wilhelm V und Friedrich teilen ihr Erbe.
Friedrich erhält Güter in Glehn, Scherfhausen, Norf, Grevenbroich,
Mühlrath, Mülfort, Helpenstein, wohl auch noch in Holzheim und in
Arsbeck.

Die Burg wurde wieder aufgebaut. Alles lief wieder ungestört.
Und die Herrschaft blieb unter der Regierung Wilhelm V wie ehedem
erhalten. Um die alten Querelen wieder gutzumachen, verkauften Wilhelm V
 und Friedrich den Hof Schlickum mit dem anhängenden Patronat zu Glehn
an das Domkapitel. Aleydis, die einzige Schwester dieser Gerhardssöhne,
wurde Äbtissin in Dalheim. Sie starb 1348. Untergang und Ende der
Herrschaft Erft-Helpenstein Wilhelm V hatte vier Kinder: Wilhelm,
Friedrich, Philipp und Aleidis. Wilhelm und Friedrich werden 1340 in
einer Xantener Urkunde Getreue des Erzbischofs Walram genannt.

Die Helpensteiner waren also nach der Fehde immer noch persönliche Vasallen
des Erzbischofs. Wilhelm ist der älteste Sohn. Er kommt aber nicht an
die Macht. Er ist regelrecht verschwunden. Außer in der Xantener Urkunde
 wird er nicht mehr erwähnt, bis es heißt, dass er 1378 auf seine
Ansprüche auf Helpenstein verzichtet. Er ist nicht der Probst, der 1308
bei der Kaiserkrönung in Aachen war. Wilhelm könnte ein stiller
Stiftskanoniker geworden sein. Die Tochter Aleidis heiratete den Johann
von Linnepe. Friedrich hatte mit seinem Bruder Philipp die Herrschaft: “
 Philipp und Friedrich, die an der vurscreven Heerschaff saissen³.
Solche Doppelherrschaft ist meist nichts Gutes. Es musste auch für diese
 Brüder einmal der Tag kommen, wo sie sich wegen der Herrschaft
auseinandersetzen. Es kam zum Kampf. Auf dem Feld eines Arnold von
Blankenheim hat “friedrich synen broider philips doit sloich ind
ermorrde, 1367³.

Damit war das Zeichen für den Untergang gesetzt. In
Köln stritt man sich um einen neuen Bischof. Man war sich aber
allendhalben bewusst, dass der neue Bischof hier eingreifen werde. Meist
 wurde in einem solchen Fall ein Sippengericht berufen, das über den
Delinquenten urteilte. Hier tat sich so was nicht. Gumprecht von Alpen,
ein Verwandter, nahm Friedrich gefangen und brachte ihn in seinen Turm.
Er muss ihn aber bald wieder entlassen haben, denn 1368 verkauft
Friedrich den Welderhof in Wehl dem Conrad von Dyck auf Wiederlös. Der
genannte Arnold von Blankenheim hatte eine Menge Helpensteiner Güter
(Hoisten, Grimmlinghausen, Danne) im Besitz.

Um sie vor dem Zugriff des Erzbischofs zu bewahren, vermachte er sie in einem Scheinverkauf an Gumprecht von Alpen. Er hoffte, dass später alle Helpensteiner Güter an Gumprecht fielen, der erzbischöflicher Erbvogt war. Gumprecht war sich
seines neuen Besitztumes nicht sicher. Da war ja noch eine direkte
Erbin: Aleidis von Lynnepe geb. von Helpenstein, die Schwester des
Mörders. Er nahm den Johann von Lynnepe gefangen und wollte ihn zwingen,
 auf Helpenstein einen Verzichtbrief zu schreiben. Das tat der Herr von
Lynnepe nicht. So hielt er ihn zu Alpen weiter im Turm.

Inzwischen hatte man 1370 in Köln einen neuen Bischof gewählt:
Friedrich von Saarwerden. Als dieser in die Helpensteiner Verhältnisse
Einblick gewonnen hatte, rüstete er seine Mannen, die fast alle aus dem
südlichen Teil der Erzdiözese kamen, und zog gegen Helpenstein. Die Burg
 wurde ein zweites Mal restlos zerstört, der Mörder gefangen genommen
und auf die Burg Godesberg gebracht. Wie lange Friedrich dort im Turm
war und wann er hingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Gumprecht gab
seine Absichten mit Helpenstein noch nicht auf. Als wäre er der Herr,
bemächtigte er sich des Burghofs. Das braucht nicht der Trümmerhügel zu
sein. Eher ist an den Wirtschaftshof zu denken, der ca. 100 m östlich
der zerstörten Burg lag.

Hier baute er ein Haus, das er Haus Helpenstein
 nannte (1374). (Es wird sich um den Hof gehandelt haben, der im
“Pittisch Bonged³ gestanden hat. Dieser Hof ist im französischen
Urkataster (1810) noch eingezeichnet, ging dann aber bald unter. Da der
alte Burgberg neben dem Hof lag, wurde und wird er bis in unsere Zeit
“Hoff-Bersch³ genannt.) Gumprecht war in Köln wohl nicht beliebt. Ein
Kölner Geschichtsschreiber nennt ihn einen räuberischen Vogt. Auch jetzt
 hatte er wieder etwas angestellt. Der Kurfürst zog gegen ihn ins Feld.
Er wurde 1374 bei Rheinberg gefangen, und auch er kam in den Turm zu
Godesberg.

Ob er hier den Mörder noch getroffen hat? Einige meinen, dass
 er erst 1379 oder 1380 hingerichtet wurde. 1378 verzichtete Gumprecht
endlich auf Helpenstein. Er ließ den Johann von Lynnepe aus dem Turm in
Alpen. Dieser hoffte nun wieder auf freien Fuß zu kommen. Aber der
Erzbischof brachte ihn auch in den Turm nach Godesberg. Auch Johann von
Lynnepe verzichtete 1387 in Zons auf die Herrschaft Helpenstein. Er hat
aber dann doch widerrufen. Inzwischen war Gumprecht 1379 gestorben.

Die Erzbischöfe hofften seit Jahrzehnten auf eine Gelegenheit, das kleine
Helpenstein dem Erzbistum einzuverleiben. Immer war die Situation
ungünstig. Jetzt hatte er es erobert; aber da war noch eine Erbin.
Erzbischof Friedrich blieb unschlüssig. Es lief in Helpenstein alles wie
 früher weiter. Es wurden sogar Lehen neu vergeben. Wer hat sie
vergeben? Nicht der Bischof. Er gab zu den Urkunden nur seine
Zustimmung. Er war der Eroberer aber nicht der Herr. Aleidis machte
einen Bittgang nach Köln, um Johann von Lynnepe aus dem Turm zu holen.
Nur, wenn sie einen Verzichtbrief schreibe, komme ihr Gatte wieder in
Freiheit. So starb der Herr von Lynnepe, der nie etwas unternommen
hatte, Helpenstein zu bekommen, im Jahre 1397 im Turm zu Godesberg nach
etwa 25jähriger (unrechtmäßiger) Haft. Aleidis von Lynnepe geb. von
Helpenstein versichert 1413 auf ihrem Sterbebett, dass Johann von
Lynnepe nicht auf Helpenstein verzichtet habe.

Nach dem Tod des Lynnepe beginnen die ersten Lehnsvergaben durch den Erzbischof. Noch etwas scheu beginnt er über Helpensteiner Besitz zu verfügen. Jetzt ist die
Herrschaft Helpenstein im Besitz des Domkapitels, ob loyal oder illegal.
 Das ist kein gutes Blatt in der Geschichte der Kölner Kirche. Der Sohn
des Johann von Lynnepe, auch Johann genannt, wurde Domherr in Köln. Ihm
gab der Bischof alle Besitzungen in Helpenstein und auch alle Güter in
der Herrschaft Orsbeck zum Lehen. Er nannte sich nun Herr von Lynnepe
und von Helpenstein. Nach seinem Tod kam die ganze Helpensteiner
Herrschaft an seinen Bruder Dietrich. Durch Heirat kam sie an die
Neuenahrer Herren und später ebenfalls durch eine Heirat an die Herren
von Bentheim-Tecklenburg. Diese Familie besaß sie bis 1800.

Es scheint, dass die Helpensteiner Untertanen zu allen Zeiten gut unter ihren Herren
 gelebt haben. An Kirmes und Burgfesten feierten sie mit den Herren. Sie
 nennen sich noch lange Zeit nach der Mordaffäre die “alden und freyen
helpensteiner untertanen³. Soweit die Ausführungen von Franzjosef
Habitz. Mit dem Untergang der Familie von Helpenstein war die Geschichte
 der Herrschaft Helpensteins nicht zu Ende. Die Besitzungen, die der
Kölner Erzbischof unrechtmäßig an sich gebracht hatte, wurden weiter als
 Lehen “verpachtet³. Der Pächter übernahm alle Rechte und Pflichten, die
 vordem die Herren von Helpenstein innehatten. Teilweise hatten andere
Adelsfamilien Helpenstein über viele Generationen als Lehen. Aus dieser
Zeit (1380 – 1800) gibt es eine Unmenge von Schriftwechseln, Verträgen,
Abrechnungen, Aufstellungen, Schuldverschreibungen, Pachtverträgen und
anderen Aufzeichnungen, die für die Verwaltung der Besitztümer der
ehemaligen Herrschaft Helpenstein erforderlich wurden.

Hier verbirgt sich sicherlich manch Interessantes. Streitereien über Abgabehöhe,
Grundstücksgrenzen, die Fischerei in der Erft, das Brau- und Brennrecht
und viele andere Dinge, die damals wichtig waren, würden uns heute
sicherlich ab und an schmunzeln lassen. Auch finden sich sicher
interessante Rechtsstreitigkeiten und Gerichtsurteile, denn die
Herrschaft Helpenstein hatte das Recht, Straftaten zu bestrafen und
sogar Todesurteile auszusprechen. Als Beispiel für die schriftlichen
Hinterlassenschaften aus dem Mittelalter sind nachfolgend eine
Beschreibung der “Herligkeit Helpenstein³ aus der 2. Hälfte des 16.
Jahrhunderts (vermutlich 1577) darin enthalten eine Aufstellung “des
Graffen von Moerß Lenderey zu Helpenstein auch Busch und Bendes³. Im
ersten Teil dieser Ausführung geht es um eine Beschreibung der
rechtlichen Situation der “Herligkeit Helpenstein³, im zweiten Teil
wurden die vorhandenen Besitzungen mit deren Pächtern aufgeführt.

Eine teilweise lückenhafte Übersetzung ist beigefügt. Hier wird deutlich, wie
 schwer erst 400 Jahre alte Texte zu übertragen sind. Weiteres,
umfangreiches Datenmaterial befindet sich auch im Pfarrarchiv St. Peter
in Hoisten, ebenso sind alte, teilweise französische, (Standes-)
Amtsunterlagen der Gemeinde und Stadtverwaltungen wahre Fundgruben.
Ergänzt wurden die Unterlagen durch altes Kartenmaterial und
Katasterunterlagen. Dies auszuwerten würde den Rahmen einer solchen
Festschrift sprengen. Deshalb ist hier auch nur eine grobe Übersicht
gegeben, die lediglich Anstoß geben soll, die Geschichte des Dorfes
Helpenstein bewusster zu sehen. Jedenfalls wäre eine wissenschaftliche
Bearbeitung dieses Stoffes sehr interessant, denn hier könnte die
Entwicklung eines Dorfes vom Mittelalter an bis heute dargestellt und
anhand von vielen Bodendenkmälern und historischen Schriftstücken belegt
 werden.

Martin Kluth



Helpenstein

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